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Glossar der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht

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Begriff Definition
Brunnenspringen

Denjenigen Männern, die zuletzt geheiratet hatten, war früher erlaubt, mehrmals in den örtlichen Brunnen zu springen, aus welchem Grund auch immer. Wir wollen es nicht vertiefen. Dieser Brauch gehört aber wohl in den Bereich der Riten, die mit Wasserverehrung, Mannbarkeit und Reinigung verbunden sind. Munderkingen pflegt diesen Brauch noch heute und ist dafür in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht herausragendes Beispiel. Verwandt: das Gautschen bei den Buchdruckern (alem. gäutschè = pflatschen, plappern).

Butz

Verkleidet gehender Fastnachter, der leicht zum Batz werden kann. Auch: Butzèmummel. Letzterer kommt gern bei Bräuchen außerhalb der Fastnacht vor, wie viele andere Maskenträger, die es oft vorziehen, in Stroh gekleidet zu gehen.

Commedia dell’ arte

Italienisches Volkstheater, besonders aktiv ab dem 16. Jahrhundert in ganz Europa bis hin nach Russland. Sie ist damals auch in China und Japan nicht unbemerkt geblieben. Wer aber jetzt wen beeinflusst hat, lassen wir lieber offen und kehren schnell heim nach Italien. Gewöhnlicherweise wird der commedia erstes Auftreten mit dem Jahr 1545 und mit Goldoni verbunden, als zum ersten Mal ein Vertrag mit einem Schauspieler schriftlich festgehalten wurde. Jedoch ist das Volkstheater Italiens nachweislich weitaus älter, wie so vieles andere, was nördlich der Alpen erst und spät mühsam ans Licht gezerrt werden musste. Kultur halt, auf römisch-griechischen Trümmern – andersch als de Muètter Metz gsait! Gellen Sie. Übrigens, das antik Römisch-Griechische wird von manchen bei der Erwähnung des Abendlandes legererweise gern vergessen. Hebel, Johann Peter, hätte jetzt ein dickes „Merke!“ gesetzt, andere „Was lernen wir daraus, spricht Mao?“. Nu, nichts, wie immer. Aufgetaucht jedenfalls ist die commedia dell’arte anfangs in Norditalien und speziell in Venetien. Als ihren Vater sieht die italienische Gelehrtenwelt, von allfälligen Renegaten abgesehen, heute Angelo Beolco-Ruzzante aus Padua an. Aber schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts reiste der Mantuaner Schauspieler Tristano Marinelli nach Frankreich an den Hof des Vierten dortigen Heinrich. Spezialisiert in der commedia war Marinelli auf die Rolle des „Zanni“ (Ähnelt dem uralemannischen „Zänni“ unheimlich, wie auch die noch uralemannischere „Zainè“ dem itlienischen„zaino“ [Rucksack] wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht; soviel zum Uralemannischen; aber wir schweifen ab.). Zanni kam jedenfalls aus Paris verwandelt nachhause in die commedia zurück, als Arlequin (Harlekin) nämlich. Ping! Aber dieser kommt als Teufel schon im 22. Höllengesang bei Dante vor. Der hinwiederum hatte ihn bei den religiösen Theaterspielen des 14. Jahrhunderts, auch in Paris bei den Franken, als einen Zuschauer neckenden Teufel und als alte Mucke kennen gelernt. (Warum haben die Leute eigentlich vor der Migration von Gedanken und Menschen so tierisch viel angst? Man könnte sich in den letzten paar tausend Jahren doch endlich mal dran gewöhnt haben.) Unser Harlekin wird nämlich schon viel früher in den Klöstern (dort saßen die damals äußerst raren Exemplare, die das Federführen vermochten, und wie) um das Jahr 1000 anlässlich der Aufzeichnung alter mündlicher Volkssagen und Geschichtlein schriftlich erwähnt (Hellequin), im Zusammenhang mit Wodans (Wuèdi) Wildem Heer. Wuèdi, Wuèdi, hätt i s gwisst, wer unter uns de Hauptma ischddt: na, Arlequino, der kleine Teufel natürlich. Ja, do luègsch un stüümsch. Die Gestalt des Harlekin geht also mit einiger Wahrscheinlichkeit bis ins germanisch-keltisch Vorzeitige zurück. (H)Erlkönig, Frau Holle (germanische Totengöttin Hel) und die Hölle (dem affinen [kommt von „Aff“] Kenner gut bekannt) lassen schön grüßen. Und schon wären wir wieder beim alten Thema: Narr, Tod, Verdammnis. Wer hätt au dês denkt? Das lustige Ende des bösen, teuflischen Harlekin aber, sieht man am besten im Zusammenhang mit dem brüchigen Erfolg des Bemühens der Kirche mit dem „heidnischen Unsinn“ der Vorzeit aufzuräumen, so gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Denn frech, wie er halt nun mal ist, taucht Monsieur Harleqin genau da grinsend als französischer Asylant alias Arlequino in Italien auf. Plopp! Dunderschièß, schon wieder Migration! Actually, he is born under a wandring star; ruhelos und unbehaust, ein Scherenschleifer. Jedoch das Schwabenland ist nah und braucht aus sozialhygienischen Gründen dringend Unterhaltung beim Schaffen. La belle Italie court à l’aide und spielt den Zitronen liebenden Germanen heitere Stückchen vor. Nach einiger Zeit der Multikulti-Gewöhnung gefallen diese allseits und flugs betreibt man Werkspionage, ganz wie später bei Narrentreffen oder in England. Ohne letztere führe heute noch kein Zug in Deutschland. Wat is ene Dampfmaschin? Schau nach bei Trevithick. Ohne werkausspionierte commedia aber kein Narro. Übrigens: MM ist daran unschuldig. Vierhundert Jahre vor seiner Geburt hinderte ihn das Sosein daran, heimlich Zeichnungen von markanten Gefrießen anzufertigen, die dann die Welt erfreuen können hätten. Also Pagliagio-Bajass -Strohmann- Harlekin, schöne Genealogie. Wenn sich ein Weißnarr als von der commedia dell’ arte gestyle Gestalt fremd vorkommen sollte, so irrt sich er. Schwer.

Dämonenabwehr

Theorie, derzufolge in vorgeschichtlichen Zeiten die Völker mittels spezieller Riten schädigende Entitäten bannten. Unter anderem seien so nicht nur Wiedergänger, Hexen oder missgünstige Kobolde unschädlich gemacht, sondern auch der Winter verjagt und der Sommer gelockt worden. Besonders bei Romantikern beliebt. Diese Handlungen werden gern als Ursprung der Fastnacht behauptet. Lässt sich aber nicht bündig nachweisen, da nicht schriftlich festgehalten. Die Völkerwanderung kam dazwischen. Es könnte aber durchaus was dran sein. „Wuèdi, Wuèdi, hätt is gwisst ... “ Lassen wir’s offen.

Dreikönigstag

Offizieller Beginn der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. An diesem Tag finden oft Handlungen wie Häsabstauben, Fastnachtswecken etc. statt. Gelegenheit, endlich nicht mehr unterdrückt: „S goht drgégè!“ lispeln zu müssen.

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