Ziele und Zweck - Leitbild Einleitung

Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e.V. sieht sich in der Pflicht, das Brauchtum und Kulturgut der schwäbisch-alemannischen Fastnacht zu erhalten, zu bewahren und zu pflegen. Unter diesem Hintergrund haben sich die verschiedenen Einzelziele herausgebildet, welche die Vereinigung satzungsgemäß verfolgt. Verschieden Gremien und Institutionen wurden hierzu gegründet und das gesondert entwickelte Leitbild soll eine Orientierungshilfe zur Erreichung der Ziele bilden.

Ziele und Zweck

Die Vereinigung bezweckt die Erhaltung, die Pflege und die Fortentwicklung des im schwäbisch-
alemannischen Sprachraum vorhandenen alten Fastnachtsbrauchtums, insbesondere durch Beratung und Betreuung der Mitgliedszünfte und Vertretung von deren Interessen gegenüber Dritten sowie die Förderung der Fastnachtsforschung. Ein im Jahre 2007 verabschiedetes Leitbild hilft bei der Orientierung zur Erreichung der Ziele.

Um diesen Zielen gerecht werden zu können, wurden von der Vereinigung bestimmte Personenkreise bzw. Einrichtungen institutionalisiert:

eine ständige Ausstellung der heute noch getragenen Fastnachtskleider in dem schwäbisch-
alemannischen Fastnachtsmuseum (s. Narrenschopf), in dem auch vom Verein Narrenschopf
und von der Vereinigung Sonderveranstaltungen durchgeführt werden.
   
der Kulturelle Beirat (s.dort), der unmittelbar für Fragen des närrischen Brauchtums und für eine entsprechende Beratung der Zünfte und des Präsidiums zuständig ist,
   
ein Zentralarchiv, das sich ebenfalls im Narrenschopfgebäude in Bad Dürrheim befindet,
   
das "JOURNAL Schwäbisch-Alemannischer Fastnacht" (Narrenbote), ein einmal im Jahr,
im November, erscheinendes Fastnachtsjournal
   
die Vergabe eines Forschungspreises (s.dort), erstmalige Vergabe im Jahr 1998
   
die Gründung der "Kulturstiftung der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht", Gründungsversamm-
lung war am 16. November 2002 in Haigerloch
 

 

 

Gole - Schlegele Beck 2001

 

 

Leitbild

M it der Gründung der heutigen „Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte“ (VSAN) schlossen sich 1924 historische Narrenzünfte zusammen, um gegen die Fastnachtverbote der Regierungen Badens, Hohenzollerns und Württembergs gemeinsam vorzugehen. Seither haben sich
die Figuren, Formen und Funktionen der Fastnacht rasant weiter entwickelt. In den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts und nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden mehr Narrenfiguren neu als je zuvor. Die Vereinigung hat sich bis zum heutigen Tag auf 68 Mitgliedszünfte vergrößert. Neben der VSAN gibt es weitere größere und kleinere Narrenverbände. Schier unzählbare Narrentreffen und deren Wirkung
in den Medien führen zu einem neuen Boom der Fastnacht. Etliche negative Entwicklungen haben es notwendig gemacht, die inhaltliche Neupositionierung und Ausrichtung des Verbandes auf die Zukunft vorzunehmen. Deshalb soll dieses Leitbild eine Wegweisung für die nächsten Jahre und Jahrzehnte sein. Es versteht sich nicht als statisches Reglement, sondern vielmehr als ein flexibler Leitfaden, der der Orientierung dient, und der auch künftig Kurskorrekturen auf dem Weg in die Zukunft zulassen soll.

Unser Selbstverständnis

Die schwäbisch-alemannisch Fastnacht ist ein wichtiger Teil der europäischen Kulturlandschaft.
Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte ist die älteste und vielfältigste Narrenvereinigung im deutschen Südwesten. Lange vor der Gründung des Südweststaats umfasste
das Verbandsgebiet bereits das heutige Baden-Württemberg. Mittlerweile ist die VSAN ein vielfältiger, grenzüberschreitender und in allen gesellschaftlichen Gruppierungen agierender Verband.

Die Bewahrung, Förderung und behutsame Weiterentwicklung der überlieferten Fastnachtsbrauch-formen der schwäbisch-alemannischen Narrenstädte und – dörfer sowie die närrische Freundschaft unter den Mitliedern stehen im Zentrum der Aktivitäten der VSAN.

Die VSAN versteht sich als Dienstleister für die Mitgliedszünfte und die Medien. Sie ist Partner der Wissenschaft und führt das „Zentralarchiv der schwäbisch-alemannischen Fasnet“ zur öffentlichen wissenschaftlichen und medialen Nutzung. Die „Kulturstiftung der schwäbisch-alemannischen Fastnacht“ und das Museum „Narrenschopf“ sind zwar rechtlich selbstständige Gebilde, aber inhaltlich zur VSAN gehörend. Beide Institutionen und das Archiv sollen weiter ausgebaut und professionalisiert werden. Der „Forschungspreis der schwäbisch-alemannischen Fastnacht“, den die Kulturstiftung vergibt, zeichnet herausragende wissenschaftliche Arbeiten über das Thema Fastnacht im zweijährigen Rhythmus aus.

Gerade in der medialen Wahrnehmung nimmt die VSAN eine Vorreiterstellung ein und ist damit auch ein Imageträger der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Insofern hat die VSAN auch Vorbildcharakter für andere Narrenvereinigungen und –zünfte. Dies wird vor allem durch die zahlreichen Narrentreffen,
die die VSAN und ihre Mitgliedzünfte veranstalten, deutlich. Durch die Narrentreffen bietet die VSAN die Plattform für die närrische Gemeinschaft unter den Mitgliedern und zur öffentlichkeitswirksamen Darstellung traditionellen Fastnachtsbrauchtums.

Durch die VSAN mit ihren in acht Landschaften gegliederten Narrenzünften sind verschiedene solidarische, gesellschaftliche und sozial-karitative Netzwerke entstanden.

Die VSAN ist das Sprachrohr der 68 Mitgliedszünfte gegenüber der Politik und den Medien.

 

 


 

   
  Unsere Werte
   
An erster Stelle steht die traditionelle Ortsfasnacht. Sie darf unter einer Aktivität der VSAN keinesfalls leiden.
Die Bewahrung, Pflege und behutsame Weiterentwicklung der Fasnachtsbräuche und -figuren sind die zentrale Aufgabe der VSAN mit ihren 68 Mitgliedszünften.
Die Qualität der traditionellen Narrenfiguren und -bräuche stellt das größte kulturelle Potential der Mitgliedszünfte dar.
Die Fastnacht ist untrennbar mit der Tradition des christlichen Abendlandes verbunden und wird nur innerhalb des überlieferten zeitlichen Rahmens gefeiert.
Fastnacht stiftet durch das Angebot von Ritualen Heimatbewusstsein und trägt zur Schaffung einer regionalen Identität bei.
Dem Narren steht das Rügerecht zu, das er mit Respekt vor der Tradition und der Würde der Mitmenschen ausüben soll.
Alte närrische Funktionen, z.B. das Schnurren oder das Tragen der Maske, müssen als Grundwert erhalten und durch die Zunftspitzen und das Präsidium der VSAN gefördert werden.
Fastnacht ist sozial integrativ. In einem Miteinander der Generationen und sozialen Gruppen kann jeder nach seinen Möglichkeiten Fastnacht feiern. Sie schafft Freude und Freundschaft durch Begegnung in einer offenen Gesellschaft ohne Ausgrenzung.
Die europäischen Fastnachts- und Maskenbräuche stehen in einem engen Kontext. Trotzdem und gerade deswegen lehnt die VSAN Plagiate und Kopien bestehender Bräuche ab.
Der faire Umgang miteinander und mit den Zuschauern und Zielpersonen der Bräuche ist eine Selbstverständlichkeit. Die Regeln des Anstands und der Würde sind zu beachten.
   
  Unsere Ziele
   
Die VSAN will an erster Stelle die örtliche Fastnacht fördern und stärken.
  Die Identitätsbildung vor allem bei jungen Menschen soll durch die Fasnet hervor gerufen werden.
Die Fastnacht soll behutsam und sicher in die Zukunft geleitet und begleitet werden.
Die Aufgabe der VSAN beschränkt sich auf das Beobachten, Behüten, Hilfestellung geben, Anregungen geben, Neues entwickeln nach alten Regeln …
Dabei wird die Individualität der Zünfte und ihrer Ortsfastnacht durch die VSAN geachtet und anerkannt.
Die Fastnacht als kulturelles Erbe Baden-Württembergs soll lebendig gehalten werden.
Bei Neubürgern soll das Verständnis für die Traditionen geweckt werden.
Freude, Fröhlichkeit und Mitmenschlichkeit sollen durch die Fastnacht vermittelt werden.
Überlieferte Rituale und Bräuche sollen erhalten und gepflegt werden. Dazu gehört das Tragen der Maske vor dem Gesicht im öffentlichen Raum nicht nur bei Umzügen und Narrensprüngen.
Das Spektrum der überlieferten Figuren wird als ausreichend betrachtet. Künftig werden nur noch historisch eindeutig durch Schrift, Bild oder Originalteile belegte Narrenfiguren wiederbelebt, aber keine neuen mehr geschaffen.
Die Schulen und Kindergärten sollen noch stärker in die örtliche Fastnacht mit einbezogen werden, um möglichst früh bei den Kindern und Jugendlichen ein Interesse für die Fastnacht zu wecken.
Der Erforschung der Fastnachtsbräuche und -traditionen durch örtliche Forscher und professionelle Wissenschaftler wird besonderes Augenmerk gewidmet.

 


   
  Unsere Ablehnungen
   
Es gibt keine Ausdehnung der Fastnacht über die Traditionsräume hinaus.
Dem Verlust lokaler Brauchformen soll entgegengewirkt werden.
Einer Verdrängung von Traditionsfiguren und der Schwächung der Ortsfasnet zum Beispiel durch häufige Auswärtsbesuche muss entschieden entgegen gewirkt werden.
Die so genannte „freie“ oder „wilde“ Fastnacht ist ein fester Bestandteil des Brauchrepertoires.
Sie darf durch Uniformierung von Narrenkleidern und strenge Reglements keinesfalls verdrängt werden. Die Zünfte sind aufgefordert hier positiv in diese Richtung wirkende Anstrengungen zu unternehmen.
Die VSAN will keine Ausdehnung von Tendenzen, die nicht der schwäbisch-alemannischen Fastnachtstradition und unseren Werten entsprechen.
Alkohol- und Gewaltexzessen sowie Vandalismus muss entschieden entgegen getreten werden.
Dem Narr obliegt das Rügerecht. Insofern hütet sich die Führung der VSAN vor einer Anbiederung an die Politik und deren Funktionsträger.
Die VSAN tritt entschieden gegen eine Kommerzialisierung der Fastnacht als Selbstzweck ein.
   
  Aufgrund der Ergebnisse der Leitbildkommission und der Tagung der Zunftmeister und Brauchtums-
beauftragten zusammengefasst und formuliert von Wulf Wager Version 2/4.10.2007
   
  Nicht zum Leitbild gehörend, aber im Rahmen der Diskussion aufgetauchte Aufgaben und Forderungen an das Präsidium:
   
Bessere Darstellung der Ziele der VSAN
Austausch der VSAN-Zünfte untereinander
Verhältnis zu anderen Verbänden und Zünften klären bzw. verbessern
Imagepflege (Stellenwert) der VSAN
Fastnacht und Heimatkunde
Schlichtungsfunktion und Hilfe
   
Scheinwelt (Geschichte, Anspruch und Wirklichkeit)
Klärung der Urheberrechtsfragen
Kontrollorgan der Tradition
Fortbildung von Lehrer/Innen
Bessere Terminabsprachen bei Narrentreffen
Wahrung der Interessen der Zünfte
Kleinere Narrentreffen