Hexe, Fastnachtshexe

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Begriff Definition
Hexe, Fastnachtshexe

Etymologisch gesehen reitet die Hex auf dem Gartenhaag. Hagazussa, hagazussa, huuiii ... So wird’s von weiser Wissenschaft wohl wahrgenommen oder halt einfach behauptet. Es lebe hoch die Deduktionsrolle rückwärts oder die wilde Phantasierolle vorwärts. Ein menschenfressendes Wahnwesen eben. Findet besonders das Gehirn lecker. Die Grimm-Brüder haben dieses - ein wenig wenig baronesk aus französischem Märchenschatz schöpfend – eindrucksvoll niedergelegt. So überzeugend, dass ein Offenburger Designer in bewegter Zeit ahnungslos den Prototypen der Hexe lostrat. Doch anfangs wollt sie keiner haben. Ist doch ein liederlich und hässlich Mensch, mit linken Kräften im Bunde. Man weiß ja nie, dachte die Inquisition und half ihr vom Zaun auf den Scheiterhaufen. Pulvis, cynis et nihil. Also, ein Wesen, das nicht viel Sympathie für den lieben Gott erkennen lässt, wie der Narr, der ungläubige Gottleugner und alle andern, die nicht so sind, wie das fromme Schäfchen sich die heile Welt denkt. Von Gott sollten wir da lieber nicht reden. Und überhaupt: après nous le déluge! Heut ganz aktuell.

In gedanklichem Kurzschluss aber und von blanker Not gedrängt, endlich auch eine Fastnacht im Zinken auf die Beine zu stellen, kam da manchem Schlaule die Idee - man muss ja alt sein als Fastnacht -, dass die Hexenverbrennung im Flecken anno Sechzehnhundertleipzigeinundleipzig klarer Beweis dafür wäre, dass wir eine alte Fasnet häben. Denn auch wir zündelten gern an Scheiterhäufen zum höheren Wohle von ... ja, von wem eigentlich? Und stimmen tut es auch nicht. Denn, siehe oben, das irdisch Halbgare ist der Kern der Fastnacht, im Gegensatz zum himmlischen Perfekten. Fastnacht halt, bös, gottfern und einfältig. Wie im richtigen Leben und wie beim Tintenklecks vom Rohrschach-Test, wenn d’en kennsch. Nicht mehr ganz aktuell, zeigt aber schlagend, dass Links und Rechts zusammengehören. Irgendwie, damit man den anderen erkennen kann. Also, die Hexenverbrennung kam lang erst hinterher, wie d alt Fanacht. Wurde von unbedarft ehrenkäsigen Narren benutzt. Hat aber nichts mit Verspottung des Elends von Generationen Andersgläubiger zu tun. Jedoch viel damit, dass die Hex ein preisgünstiges, buntes, strapazierfähiges Kostüm ist, das auch junge, schmalgeldbeutelige LeistungsträgerInnen sich leisten können. Und die Sau rauslassen damit, um sich vom Leistungstragen e bitzeli zu entlasten. Interessant, dass meist Wesen männlichen Geschlechts so gerne hexen. Und Hexenrichter spielen, schaurige Worte vom Blatt verlesend, die außer der Political Correctness keiner zur Kenntnis nimmt. Gute Befriedigung allerseits! Schlag nach bei Sigmund. Und überhaupt, wer rollt schon gern als Villinger Narro im Gassenkot rum. Mit der Hex geht’s billiger. Gruselig schön ist es solcherart sein wahres Wesen hinter der Larve auszuleben. Gell. Scheint ein menschliches Bedürfnis dahinter zu stecken. Hexen breiten sich in der Fastnacht heutzutage aus wie manch ein Virus, auf Gurken lebend – oder auf Sprossen, aber nicht von der Leiter – oder im Äther oder ..... Sicher ist, der Virus kömmt wieder, in anderem Kostüm, ganz wie an der Fastnacht. Und dann rätseln wir wieder, auch wie an der Fastnacht: wer steckt hinter der Larve. Wer wohl, Freund Hein natürlich. Aber das hatten wir schon. Auch die Hexe rafft täglich neue Narren dahin. Furchtbar fruchtbar faselndes Fabelwesen verdrängt fix viel fastnächtlich vermeintlich Festes. Bald gibt es nur noch Hexen. Dann ist die Welt in Ordnung und endlich auch die Fastnacht so fade wie das ganze wohlversorgt-geregelt dahinplätschernde Leben der meisten heutigen kaukasischen Deszendenten rundumedumme. Panem et circenses! Narri Narro !

Nochmals zurück zu den trüb sprudelnden Quellen unserer lieben Vorzeit. Ohne die gäb’s uns gar nicht. Und ohne uns tät keiner phantasieren. Wilder Mann und wildes Weib, die ungläubigen Unkultivierten, im biologisch abbaubaren Gezweig-Häs, aber gibt es schon lang in der Fastnacht. Übrigens auch die Hexe. Man sehe sich in Tirol um, wenn man sich traut. Allerdings war die nicht so schön typisch wie die Offenburgerisch-Grimm’sche heute. Eher noch wildes Weib. Ha! Das waren Zeiten. Aber in der Baar machten die Kinder vor langer Zeit „das Hexle“, wobei sie sich ein altes Küchenvorhängle vors Gesicht hängten. Fertig.