Pressemitteilung zur Hauptversammlung 2018

Aufwendige Sicherheitskonzepte, behördliche Auflagen und steigende Kosten machen den Mitgliedszünften der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) zu schaffen. Bei ihrer Hauptversammlung am vergangenen Wochenende forderte VSAN-Präsident Roland Wehrle vor den über 600 Zunftvertretern, die Landesregierung auf, für das immaterielle Kulturerbe Schwäbisch-alemannische Fastnacht aktiv zu werden, sonst sieht er die Zukunft von Narrensprüngen und Landschaftstreffen bedroht. Neustrukturierung Narrenschopf Bad Dürrheim vollzogen.

Pfullendorf. Wenn es mit den behördlichen Auflagen und den damit entstehenden Kosten für die Zünfte so weitergeht, sieht Roland Wehrle, Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte die Fortführung und Durchführung fastnächtlicher Bräuche mittelfristig bedroht. Bei der diesjährigen Hauptversammlung der Ältesten und größten Narrenvereinigung im Südwesten am vergangenen Wochenende in Pfullendorf sprach der Präsident vor den über 600 anwesenden Zunftvertretern, klare Worte, „gibt es hier bald keine Änderung, werden zukünftig sich Zünfte überlegen Veranstaltung wie Narrensprünge oder größere Narrentreffen durchzuführen“. So musste die Stadt Markdorf zusammen mit der Narrenzunft im vergangenen Jahr rund 70 000 Euro in die Hand nehmen um ein aufwendiges Sicherheitskonzept erstellen zu lassen. Allein der Feuerwehrdienst während eines zweitägigen Landschaftstreffen kann eine Gastgeberzunft mit bis zu 6000 Euro zu Buche schlagen. Einige Genehmigungsbehörden verlangen mittlerweile mehrere Not-Aus Knöpfe an Umzugswagen oder eine Bescheinigung zur Verkehrssicherheit für Straßenbändele. Politische Vorstöße der VSAN in Richtung baden-württembergischen Innenministeriums wurden nicht ernst genommen. Wehrle berichtete von Versuchen, an Amtschef Thomas Strobl (CDU) heranzutreten. Ein Termin mit dem Innenministerium sowie den Verantwortlichen des Verkehrsministeriums zu einem „Runden Tisch“ ist bisher noch nicht zu Stande gekommen. Eine diesbezügliche schriftliche Anfrage im April vergangenen Jahres, erst Ende Dezember als „derzeit nicht relevant“, schriftlich vom Innenministerium beantwortet worden. Verunsichert zeigte sich auch der Verband zudem wegen möglicherweise weiteren Auflagen in der Zukunft. So hatten zuletzt wegen der Gefahr durch Terroranschläge mittels Fahrzeugen selbst Weihnachtsmärkte im ländlichen Raum mit Betonpollern gesichert werden müssen. „Es wird uns immer schwieriger gemacht das 2014 von der Deutschen UNESCO-Kommission eingetragene nationale immaterielle Kulturgut „schwäbisch-alemannische Fastnacht“, überhaupt durchzuführen“, brachte es Wehrle auf einen Nenner. „Wir brauchen eine gemeinsame Verantwortung von Vereinen und dem Staat“, verlangte der Präsident weiter. Die ehrenamtlich Tätigen könnten weder den Arbeitsaufwand noch das finanzielle Risiko stemmen. „Sicherheit ist natürlich dringend notwendig, allerdings bitte in Maßen. Es gibt keine 100prozentige Sicherheit auch wenn alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden“, so Wehrle weiter.  Auch anderen Verbänden welche größere Veranstaltungen durchführen, wie der Blasmusikverband oder der Deutsche Sportverband sind von den zunehmenden Reglementierungen betroffen. „Finden wir bei der Politik kein Gehör, werden wir weitere Verbände mit ins Boot nehmen“, betonte der Präsident. Nach dem Bildung der neuen Bundesregierung ist zu diesem Thema darüber hinaus ein Politischer Abend in der Landesvertretung Baden-Württembergs in Berlin geplant. Neuorganisiert wurde im Zuge der Hauptversammlung auch der Zentrale Museum der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht „Narrenschopf“ in Bad Dürrheim. Zukünftig ist die Vereinigung selbst für das operative Geschäft inklusive Museumsbetrieb zuständig. Der Verein Narrenschopf wird zukünftig als Förderverein tätig sein und für die Museumsnacht samt Narrenbörse sich zuständig zeigen. Derzeit wird das Fastnachtsmuseum im bundesweiten Förderprojekt „Museum 4.0“, digitalisiert. Einige Projekte wie die „digitale“ Fastnachtsband sind bereits schon am Laufen. Die Kuppel 3 des Museums wird zu einem 360 Grad-Projektionsraum umgebaut. „Man wird mit Hilfe von VR-Brillen oder auch so das Gefühl haben, mitten im Fastnachtsgeschehen zu sein“, erläuterte Wehrle. Für die aufwendige Technik sowie für die Bespannung der Kuppel benötigt der Narrenschopf noch 300 000 Euro. Bisher wird auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt mit jährlich 300 000 Euro von der Bundesregierung gefördert.

Einladung zur HAT 2017

Einladung zum Pressegespräch im Rahmen der Herbstarbeitstagung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte 2017 am 14. Oktober 2017.